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Islam, Geschlecht und Sexualität

Wie Religionen

das Leben von Menschen prägen

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Geschlecht und Sexualität im religiösen Kontext erforschen

Die Gründe für eine interdisziplinäre und praxisorientierte Erforschung von Geschlecht und Sexualität durch AIWG-Projekte sind vielfältig. Ein besonders herausstechender Grund ist, dass bspw. die Gleichstellung der Geschlechter und die Anerkennung einer Diversität von Geschlecht und sexueller Orientierung entscheidende Faktoren für Gerechtigkeit weltweit sind. Da hierbei gerade Religionen das Leben von Menschen in fundamentaler Weise in den Bereichen Geschlecht und Sexualität wie bspw. durch die Herstellung, Legitimierung und Realisierung von Geschlechterdifferenz, -dichotomie und -hierarchie strukturieren, stehen die beiden Themenfelder im Forschungsfokus.

Die spezifischen Forschungsfelder

Thematisch bewegen sich die Projekte zu den Themenfeldern Geschlecht und Sexualität in den folgenden Bereichen:

  • Ethik, Geschlecht und Sexualität
  • Gerechtigkeit, Geschlecht und Sexualität
  • Konzepte von Geschlecht, Geschlechterrollen und -beziehungen

Die AIWG-Forschungsgruppe „Wege zu einer Ethik“ bspw. hat islamrechtliche Themen wie Ehe, Polygynie, Homosexualität und Geschlecht unter Berücksichtigung ihrer historischen Bezugspunkte in Hinblick auf moderne islamrechtliche Diskurse untersucht. Ausgewählt wurden diese Themen, weil sie etwa in der muslimischen Seelsorge eine große Relevanz für die heutige muslimische Zivilgesellschaft haben. In diesem Zusammenhang wurde z.B. auf Anregung des Amts für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt ein Roundtable der AIWG zum Thema „LSBTIQ als Thema in der muslimischen Seelsorge. Bedarfe, Erfahrungen und Angebote“ veranstaltet. Auf einer von der Forschungsgruppe „Wege zu einer Ethik“ ausgerichteten Konferenz wurden zahlreiche Forschungsergebnisse der akademischen Fachcommunity präsentiert und zur Diskussion gestellt. Dabei ging es im Kontext Sexualethik um Themen wie Queer, Ehe, Solo-Sex, Homosexualität und Intergeschlechtlichkeit.

Fragen bzgl. Gerechtigkeit sind nicht nur in Gesellschaft und Politik virulent. Auch im Kontext des geschlechts- und sexualitätsbezogenen Lebens von Menschen nimmt das Thema Gerechtigkeit immer mehr Raum ein, weshalb sich auch die Islamische Theologie in Deutschland damit beschäftigt. Die AIWG hat bspw. mit der Durchführung des Reading Weekends „Gender Issues in Islam” Wissenschaftler_innen eine Plattform geboten, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Lektüregrundlage waren die Beiträge von Asma Barlas, die eine der bedeutendsten und bekanntesten Stimmen der zeitgenössischen Debatten über Geschlechtergerechtigkeit im Islam ist.

Ob es um Fragen der Ethik oder Gerechtigkeit bzgl. Geschlecht und Sexualität geht, Konzepte von Geschlecht, Geschlechterrollen und -beziehungen spielen dabei stets eine Rolle – dies in geschichtlicher sowie gegenwartsbezogener Perspektive. Sie gewinnen dabei besonders an gesellschaftspolitischer Relevanz, wenn sie als rechtlicher Referenzrahmen bemüht werden. Bereits aus diesem Grund wird ihre Erforschung zu einer Notwendigkeit, die in thematisch unterschiedlich ausgerichteten AIWG-Projekten unternommen wird. Eine große Rolle spielen hier Persönlichkeiten aus der islamischen Frühgeschichte wie der Prophet oder seine Frauen. Im Kontext des AIWG-Projekts „Kanon und Zensur in der islamischen Theologie- und Ideengeschichte“ hat bspw. ein Talk mit Prof. Dr. Sara Omar (Georgetown University) stattgefunden, die der Frage nachgeht, ob die Transformation von Narrativen der Beziehung des Propheten zu seinen Frauen in verschiedenen Quellenwerken über die Zeit hinweg eher durch Zensur oder Wertewandel in der Gesellschaft bedingt waren.

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Meldungen aus unseren Forschungsprojekten

Seit gut mehr als einem Jahr beschäftigt sich unsere Shorttermforschungruppe „Wege zu einer Ethik“ mit der Frage danach, ob es einer „islamischen Ethik“ als eigenständiger Disziplin bedarf. Wir haben mit den drei Wissenschaftler_innen Prof. Dr. Serdar Kurnaz, Prof. Dr. Mira Sievers und Prof. Dr. Rana Alsoufi unter anderem über ihre wichtigsten Forschungsfragen, das Wörterbuch, das im Projekt entsteht, und ihre Projektziele gesprochen.

Am 16. und 17. Oktober hat das AIWG Reading Weekend „Gender Issues in Islam“ virtuell stattgefunden. Unter der Leitung von Dr. Farid Suleiman, Abteilung für Islamisch-Religiöse Studien an der Universität Erlangen-Nürnberg, tauschten sich die Teilnehmenden zur Gendergerechtigkeit im Islam aus. Lektüregrundlage bildeten Beiträge von Prof. Dr. Asma Barlas. Die Autorin, die als eine der führenden Stimmen in muslimischen Genderfragen gilt, begleitete das Reading Weekend persönlich.

Die AIWG veranstaltete am 15. März unter dem Titel „LSBTIQ als Thema in der muslimischen Seelsorge“ ihren achtzehnten Roundtable. Der Roundtable erfolgte auf Anregung des Amts für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt. An dem mittlerweile sechsten digital durchgeführten Roundtable nahmen 17 Wissenschaftler_innen aus den islamisch-theologischen Studien sowie Akteur_innen aus der Seelsorge und der muslimischen Zivilgesellschaft teil.

Unsere Materialien zum Themenbereich

Hier finden Sie eine Auswahl unserer Mitschnitte von wissenschaftlichen Tagungen Interviews und Publikationen zu verschiedenen Aspekten rund um den Themenbereich Islam, Geschlecht und Sexualität.

Abbildung im Header: Darstellung aus Warqa und Gulschah, persische Miniaturmalerei. Iran, 13. Jahrhundert. Das Manuskript befindet sich in der Bibliothek des Topkapi-Palace in Istanbul.