Wie werden Judentum und jüdisches Leben im IRU thematisiert?
Am 13. und 14. Januar fand in Paderborn das ITS-Colloquium „Über das Judentum, jüdisches Leben und jüdische Gegenwart im Islamischen Religionsunterricht (IRU) sprechen. Eine Bestandsaufnahme.“ statt. Organisiert und durchgeführt wurde es durch Prof. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, Universität Paderborn, Prof. Dr. Annett Abdel-Rahman, Universität Osnabrück, Prof. Dr. Riem Spielhaus, Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut Braunschweig, sowie Prof. Dr. Tarek Badawia, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Mit der Etablierung der Islamischen Religionspädagogik an einigen Universitäten rückte auch interreligiöses Lernen in den Fokus, da sich aus der religiösen Pluralisierung der Gesellschaft für den Religionsunterricht der Auftrag ergibt, Schüler_innen für das Zusammenleben in einer religionspluralen Gesellschaft zu sensibilisieren.
Während sich die wesentlichen Arbeiten der islamischen Religionspädagogik bislang weitestgehend auf die Thematisierung des Christentums im IRU fokussieren, fehlt bislang eine differenzierte fachwissenschaftlich begründete Perspektive auf das interreligiöse Lernen mit Fokus auf das Judentum und jüdisches Leben.
Die Kultusministerkonferenz hatte am 14.12.2024 das Papier „Darstellung des Judentums in Bildungsmedien“ verabschiedet, das Leitlinien und Kriterien für eine sachlich korrekte und differenzierte sowie gleichermaßen pädagogisch didaktisch angemessene Darstellung des Judentums und damit verbundener Themenbereiche enthält. Das Papier zielt darauf ab, Vorurteile, Stereotype und Verzerrungen in der Vermittlung jüdischer Geschichte, Kultur und Religion abzubauen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Anspruchs, dass auch der IRU den allgemeinen Bildungszielen am Lernort Schule folgt und somit, wie andere Fächer auch, eine antisemitismus-, sowie rassismuskritische Bildung anstrebt, verfolgte das Colloquium das Ziel, den aktuellen Forschungsstand zu Bildungsmaterialien über das Judentum im IRU zu eruieren und zu analysieren. Dies ist eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der IRU-Materialien in der Zukunft.
Wissenschaftler_innen aus der Islamischen Religionspädagogik und der Islamwissenschaft untersuchten im Rahmen des ITS-Colloquiums, in welchen Kontexten und Themenfeldern sowie historischen und gegenwärtigen Bezügen das Judentum in den aktuellen Bildungsmaterialien und Curricula als Gegenstandsbereich eingebracht wurde. Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage für weitere bildungstheoretische und -politische Auseinandersetzungen. Erstens zur Frage, ob das Judentum und jüdisches Leben umfänglich, mehrperspektivisch und differenziert thematisiert wird, und zweitens, inwieweit vorhandene Bildungsmaterialien und Curricula für islamische Religionslehrkräfte und Schüler_innen auf gegenwärtige gesellschaftspolitische Herausforderungen reagieren können.
Im Zentrum standen Analysen der Kerncurricula verschiedener Bundesländer und unterschiedlicher Bildungsmaterialien sowie Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus.
Die Bestandsaufnahme wurde von der jüdischen Religionspädagogin Dr. Sandra Anusiewicz-Baer, Vertretungsprofessorin für Jüdische Religionspädagogik an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, eingeordnet und kommentiert, die Erwartungen, Grenzen und Möglichkeiten einer verantwortungsvollen Thematisierung aufzeigte. Dies schloss auch die Perspektive mit ein, wie Jüdinnen und Juden wahrgenommen werden möchten.
Gemeinsam wurde eine Umfrage finalisiert, die im Anschluss Einblicke in die Erfahrungen und Arbeitsweisen von Lehrkräften für den IRU ermöglichen soll. Die Ergebnisse aus dem Colloquium und den Untersuchungen werden demnächst publiziert. Dabei wurde ein deutlicher Bedarf an qualitativen, kompetenzorientierten und den aktuellen Diskursen entsprechenden Bildungsmaterialien sichtbar. Das Colloquium zeigt, dass sich der IRU den aktuellen, auch schwierigen, gesellschaftlichen Debatten konsequent stellt und damit seinen Beitrag für eine gelingende, dialogorientierte, religiöse Bildung in einer pluralen Gesellschaft leistet.







