Perspektiven auf religiöses Lernen
Wie wird islamisch-religiöse Bildung an den Lernorten Schule und Moschee theologisch verstanden und praktisch umgesetzt? Welche Aufgaben und Ziele hat religiöses Lernen an beiden Lernorten? Und worin liegen die jeweiligen Herausforderungen? Diesen und weiteren Fragen ging die AIWG-Projektwerkstatt „Religiöse Bildung an den Lernorten Schule und Moschee – eine Verhältnisbestimmung“ in ihrer ersten Konsultation im Februar nach.
Die zweitägige Veranstaltung führte Wissenschaftler_innen und religionspädagogische Akteur_innen aus Schulen und Moscheen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg zusammen, um zentrale Fragestellungen der islamisch-religiösen Bildung zu erörtern. Ziel war es, die Schwerpunkte und Herausforderungen religiösen Lernens beider Lernorte herauszuarbeiten. Im Zentrum der ersten Konsultation stand der Erfahrungsaustausch über die Lebenswelten der Schüler_innen und über die Erwartungshaltungen, die an islamische Religionslehrer_innen herangetragen werden. Daneben wurden auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Lernorte und die Identifikation möglicher Spannungsfelder analysiert. Begleitet wurden die Debatten von einer intensiven Arbeit an Praxisbeispielen.
Die AIWG-Projektwerkstatt „Religiöse Bildung an den Lernorten Schule und Moschee – eine Verhältnisbestimmung“ möchte einen fachwissenschaftlichen Austausch mit religionspädagogischen Akteur_innen beider Lernorte initiieren. Auseinandersetzungen zum Islamischen Religionsunterricht haben bislang vorwiegend gesellschaftspolitisch stattgefunden, nicht religionspädagogisch. Für die Entwicklung einer islamischen Religionspädagogik und Fachdidaktik ist es jedoch unerlässlich, ihre bildungstheoretische Grundlegung zu erschließen. Der Fokus des Kooperationsprojekts zwischen den Universitäten Paderborn und Osnabrück liegt dabei auf religionspädagogischen und fachdidaktischen Fragestellungen aus islamisch-theologischer Perspektive, konsequent bezogen auf die Anforderungen an religiöses Lernen im Religionsunterricht an öffentlichen Schulen bzw. in Unterrichten von Moscheegemeinden.
„Das erste Mal werden mit dieser Projektwerkstatt muslimische Akteur_innen aus unterschiedlichen Phasen der Lehrkräfteausbildung und von den Lernorten Schule und Moschee miteinander in ein fachliches Gespräch kommen, um sich über ihre Erfahrungen und Perspektiven auf lernwirksame, nachhaltige Lernprozesse im Islamischen Religionsunterricht auszutauschen“, erläutert Annett Abdel-Rahman, Juniorprofessorin für Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts an der Universität Osnabrück.
Die Wissenschaftlerinnen werden sich vor allem auf Nordrhein-Westfallen, Niedersachsen und Baden-Württemberg konzentrieren, da in diesen Bundesländern zahlreiche Schulen das Unterrichtsfach Islamische Religionslehre nach Artikel 7.3 des Grundgesetzes organisiert anbieten. Am Ende der AIWG-Projektwerkstatt wird ein Positionspapier entstehen, das Aussagen zu Aufgaben und Zielen religiösen Lernens sowie zum Verhältnis der beiden Lernorte Schule und Moschee formuliert.
„Im Mittelpunkt stehen die Perspektiven und Erfahrungen muslimischer Akteur_innen. Zudem werden auch Perspektiven aus der jüdischen und christlichen Religionspädagogik einfließen, die in der schulischen Religionsbildung sowie der damit einhergehenden ethischen und gesellschaftlichen Verantwortung bereits viel Erfahrung besitzen und mit denen wir uns deshalb bewusst austauschen möchten“, erläutert Naciye Kamcili-Yildiz, Juniorprofessorin für Islamische Religionspädagogik/-didaktik an der Universität Paderborn.
Die nächste Konsultation wird im Mai 2025 stattfinden.
Mehr zur AIWG Projektwerkstatt können Sie hier nachlesen.