Gemeinsames TikToken als Chance
Soziale Medien sind in der Lebenswelt junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Auf Plattformen wie TikTok informieren sie sich zu gesellschaftlichen, religiösen und weltanschaulichen Fragen, beteiligen sich an Debatten. Doch wie können junge Menschen mit TikTok empowert werden, um ihre Perspektiven sichtbar zu machen? Und welche Herausforderungen entstehen dabei?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Neuerscheinung „Sichtbar auf TikTok für Vielfalt einstehen. Content Creation als Tool für junge religiöse Perspektiven“, die vom plugether-Projektteam (Catharina Iyer, Sabine Ahmadzai und Lale Diklitaş) verfasst wurde. Die Handreichung, die in der Reihe „Praxisperspektiven“ erschienen ist, richtet sich an Bildungsinstitutionen, Träger_innen politischer Bildung, religiöse Verbände und alle, die mit jungen Menschen arbeiten. Sie gibt Einblicke in Konzeption und Umsetzung von Content-Creation-Workshops, benennt Herausforderungen und Lernprozesse und verbindet Praxis mit wissenschaftlicher Einordnung. Damit ist die Handreichung das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit von jungen Teilnehmenden des zweijährigen Projekts plugether, Content Creator_innen, Wissenschaftler_innen und Praxisexpert_innen.
Die Online-Publikation ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil beleuchten die Autorinnen Hintergründe, methodische Überlegungen und Herausforderungen bei der Projektumsetzung:
- Warum kreieren junge Menschen Content?
- Welchen Herausforderungen begegnen sie dabei?
- Und welche Maßnahmen helfen ihnen dabei, offline und online in einen Dialog zu treten?
Der zweite Teil bündelt Learnings und Impulse aus den Workshops. Er wirft Schlaglichter auf Aspekte, die von Anna Neumaier und Ole Rüter (CERES, Ruhr-Universität Bochum), beide hatten im Rahmen von plugether eine Studie zur religiösen und gesellschaftspolitischen Kommunikation auf TikTok durchgeführt, wissenschaftlich reflektiert werden:
- Wie prägen soziale Medien Beziehungen im „echten“ Leben?
- Wie wirken sie auf gelebte Religiosität?
- Und welche Faszination geht von religiösen Content Creator_innen aus?
Der letzte Teil fragt schließlich, wie mit Hass, Polarisierung und Konflikten in Bezug auf den eigenen Content umgegangen werden kann. Impulse von Christoph Günther (Universität Erfurt) sowie Mehmet Koç (Sozialarbeiter und Content Creator) thematisieren das Spannungsfeld zwischen Algorithmen und aktiver Mitgestaltung:
- Wie beeinflussen Algorithmen die Meinungsbildung?
- Wie kann durch Community Management Hass entgegengewirkt werden?
- Und wie können sich Content Creator_innen schützen?
Die Illustrationen für die Handreichung gestaltete die Comic-Zeichnerin und Illustratorin Sheree Domingo. Sie begleitete auch die erste Workshopreihe visuell mit einem Graphic Recording. Mehr zu ihrer Arbeit können Sie im Interview mit ihr erfahren. Die kostenlose Handreichung können Sie hier herunterladen.
Über das Projekt plugether
Im Rahmen von plugether brachte die AIWG 2024-2025 engagierte junge Menschen aus ganz Deutschland zusammen mit dem Ziel, Räume zu schaffen, in denen sie sich über ihre vielfältigen religiösen Perspektiven austauschen und zugleich gesellschaftliche Themen verhandeln können, die sie bewegen. Plugether ging den Fragen nach, inwiefern es möglich ist, digitale Filterblasen zu durchbrechen, und ob soziale Medien auch Potenziale für gesellschaftlichen Zusammenhalt bieten. In insgesamt drei Workshopreihen lernten die Teilnehmenden, Videoformate für die Plattform TikTok zu entwickeln – vom Konzept bis hin zur Veröffentlichung.
Das Projekt wurde gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration zugleich Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus.







