Von digitaler Materialität zu digitalem Islam
Was ist digitale Materialität und kann das Konzept in den islamisch-theologischen Studien gewinnbringend angewendet werden? Zur Erörterung dieser Fragen kamen die Wissenschaftler_innen der AIWG-Forschungsgruppe Islam und Digitalität im Mai in Erfurt zusammen.
Der erste Teil des Treffens diente der Erörterung der oben aufgeworfenen Fragen auf Basis einer Reihe unterschiedlicher in der Forschung vorgelegten Definitionsansätze digitaler Materialität. Während Materialität im allgemeinen Sprachgebrauch häufig auf Objekte bezogen wird, versteht die Forschung Materialität im Onlinebereich beispielsweise als den beobachtbaren Einfluss digitalen Materials auf Rezipient_innen. Für die Gruppenforschung zur Veränderung normativer Begründungen religiöser Inhalte, hermeneutischer Verfahren, ästhetischer Praktiken und Konstruktionen islamischer Geschichte durch die zunehmende Digitalisierung des Religiösen stellt digitale Materialität somit ein fruchtbares Konzept dar. Abgerundet wurden die theoretischen Überlegungen der Gruppe von einem Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Josephine Diecke, Universität Zürich, die den Wandel zur digitalen Materialität anhand eindrücklicher Beispiele aus den Film- und Medienwissenschaften nachzeichnete.
Den Arbeiten der Nachwuchswissenschaftler_innen widmete sich der zweite Teil des Treffens. Gemeinsam mit Prof. Dr. Anna Neumaier, Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Josh Carney, Philliphs-Universität Marburg und Dr. Fouad Gehad Marei, Universität Erfurt, diskutierte die Gruppe vier der Beiträge, die im Rahmen eines Sammelbandes veröffentlicht werden sollen. Dies beinhaltet Studien zur visuellen Darstellung früh-islamischer Geschichte aus schiitischer Perspektive, insbesondere auf Instagram, eine Fallstudie zur zwölferschiitischen Hadithsammlung Ṣaḥīfat ar-Riḍā im Kontext iranischer Datenbanken, Ergebnisse aus einer Interviewstudie zur Audio-Visualität der Ahmadiyya Muslim Jamaat auf sozialen Medien sowie einer Untersuchung von Erinnerungspraktiken deutschsprachiger Muslime mit einem Fokus auf Authentizität.
Am 10. und 11. Juli findet die Internationale Abschlusstagung der Forschungsgruppe in Frankfurt statt. Im Fokus stehen die Auswirkungen digitaler Räume auf religiöse Wissensproduktion, Erinnerungskulturen und Formen der Gemeinschaftsbildung sowie die Frage, wie sich islamische Hermeneutik, religiöse Autorität und Praxis unter den Bedingungen digitaler Transformation verändern. Das Programm umfasst internationale Panels und Fachvorträge sowie zwei Keynotes von Prof. Dr. Sariya Cheruvallil-Contractor, Coventry University, und Prof. Dr. Heidi Campbell, Texas A&M University.
Das Kooperationsprojekt „Islam und Digitalität“ wird an den Universitäten Frankfurt am Main, Berlin und Erfurt umgesetzt.







