Erfolgreiche Abschlusskonferenz der AIWG-Forschungsgruppe Islam und Digitalität
Wie sieht eine jahrhundertealte Überlieferungskette von Hadithen aus, wenn sie als digitales Netzwerk modelliert wird, und was geschieht mit einer historischen Erzählung, wenn sie auf sozialen Medien geteilt und diskutiert wird? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzte sich die internationale Abschlusstagung der AIWG-Forschungsgruppe Islam und Digitalität Anfang Juli in Frankfurt auseinander.
Im Fokus standen einerseits die Auswirkungen digitaler Räume auf Erinnerungskulturen, Identitäten und daraus resultierenden Formen der Gemeinschaftsbildung. Andererseits wurde die Frage behandelt, wie sich islamische Hermeneutik, religiöse Autorität und Praxis unter den Bedingungen digitaler Transformation verändern.
In sechs entsprechend thematisch geclusterten Paneln stellten die Wissenschaftler_innen der Gruppe und zwölf geladene Expert_innen von universitären Standorten aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Israel, dem Iran, den USA, Singapur und Indonesien, ihre Forschungen zur Rolle der zunehmenden Digitalisierung in islamischen Kontexten vor. Auch inhaltlich stellte das Programm die Internationalität und Diversität des Feldes dar. Unterschiedlichste religiöse Strömungen – von Ahmadiyya Muslim Jamaat und Ismailiten über moderne Sufi-Orden zu zwölferschiitischen und sunnitischen Gruppierungen – standen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Dabei wurden sowohl deutsche und europäische als auch west-, süd-, und südostasiatische Kontexte berücksichtigt. Sozial- und religionswissenschaftliche Ansätze wechselten sich ab mit historischen und ethnologischen Fragestellungen sowie Anleihen aus den Digital Humanities.
Gerahmt wurde das Programm durch zwei internationale Keynotes. Prof. Dr. Sariya Cheruvallil-Contractor (Coventry University) stellte die Ergebnisse mehrjähriger Forschung zum Zusammenspiel von digitalem und analogem muslimischem Leben im europäischen Vergleich vor und ging dabei sowohl auf die Rolle von Institutionen und Individuen im digitalen Rezeptionsverhalten verschiedener Generationen ein. Prof. Dr. Heidi Campbell (Texas A&M University) stellte einen neuen theoretischen Ansatz vor, islamische KI-Anwendungen nicht nur anhand ihrer religiösen, sondern auch ihrer spirituellen Handlungsmöglichkeiten zu verstehen. Dieser theoretische Ansatz, der die spirituelle Funktion fokussiert, erleichtert den religionsübergreifenden Vergleich muslimischer, christlicher und buddhistischer KI-Modelle, deren Untersuchung den Ausgangspunkt des Ansatzes darstellte.
Zur Ergebnissicherung wird in Kürze ein umfassender Tagungsbericht veröffentlicht. Außerdem wurden im Rahmen der Konferenz Videoaufnahmen erstellt, die in Form eines Kurzfilms demnächst zur Verfügung gestellt werden.
Das Kooperationsprojekt „Islam und Digitalität“ wird an den Universitäten Frankfurt am Main, Berlin und Erfurt umgesetzt.







