Hadithdidaktik gemeinsam weiterdenken
Welche Rolle spielen Hadithe, Sunna und Sīra im Islamischen Religionsunterricht? Wie werden sie in Schulbüchern und anderen Lehrmaterialien vermittelt? Und welche Erfahrungen machen Lehrkräfte im Unterrichtsalltag? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die zweitägige Fachtagung und Lehrkräftefortbildung „Der Prophet Muhammad im Islamischen Religionsunterricht“, die am 21. und 22. September 2026 an der Justus-Liebig-Universität Gießen stattfand.
Eingeladen hatte das Gießener Teilprojekt der AIWG-Forschungsgruppe „Mit dem Propheten Muhammad ins Gespräch kommen?“. Die Veranstaltung richtete sich an Lehrkräfte, Fachvertreter_innen, Referendar_innen sowie Studierende der Islamischen Religionspädagogik. In den Räumen des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) tauschten sich die Teilnehmenden in Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Panels und Workshops über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen aus.
Zum Auftakt begrüßte Gastgeber Prof. Dr. Yaşar Sarıkaya die Teilnehmenden und dankte den Förderern sowie allen an der Organisation beteiligten Personen. In ihrem Grußwort hob Ministerialrätin Nurgül Altuntaş vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen die gesellschaftliche Bedeutung des Islamischen Religionsunterrichts hervor. Sie appellierte an Lehrkräfte und Forschende, den Unterricht im engen Austausch kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Einen wissenschaftlichen Einstieg bot die Keynote von Prof. Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino, Sprecher der AIWG-Forschungsgruppe. Er zeigte auf, wie Hadithe Muslim_innen unterschiedliche persönliche Zugänge zum Propheten Muhammad eröffnen können. Durch die überlieferten Aussagen und Handlungen werde der Prophet auf individuelle Weise wahrgenommen und erfahren. Damit rückte zugleich die Frage in den Mittelpunkt, wie sich diese dialogische Dimension für religiöse Bildungsprozesse erschließen lässt.

Prof. Dr. Yaşar Sarıkaya eröffnet die Tagung.
Der Hadith in IRU-Lehrwerken: Sachstand, Potenzial und Bedarfe
Am ersten Veranstaltungstag ermöglichten mehrere Beiträge Einblicke in bereits vorhandene Lehrwerke. Diskutiert wurde unter anderem, welche didaktischen Konzepte bereits vorliegen, an welchen Stellen Entwicklungsbedarf besteht und wie wissenschaftliche Erkenntnisse stärker mit den Anforderungen des Schulalltags und den bildungspolitischen Rahmenbedingungen verbunden werden können.
Eine lebendige Podiumsdiskussion brachte die Perspektiven der schulischen Praxis und der Lehrkräftebildung zusammen. Die Lehrkräfte und Didaktiker_innen Cem Özel, Duran Terzi und Esra Yavuz berichteten von ihren Erfahrungen und Herausforderungen in der Unterrichtspraxis. Dabei wurde deutlich, dass Lehrmaterialien nicht nur fachlich fundiert sein müssen, sondern auch die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lebenswelten der Schüler_innen berücksichtigen sollten.
Hadithdidaktische Ansätze im Praxischeck
Am zweiten Veranstaltungstag wurden in parallel stattfindenden Panels aktuelle Ansätze aus Forschung und Praxis vorgestellt und kritisch erörtert. Beiträge zur Koran-, Sīra- und Gemeindepädagogik erweiterten den Blick auf benachbarte religionspädagogische Felder.
In den anschließenden Vorträgen und Arbeitsformaten wurde die bisherige Hadithdidaktik einem Praxischeck unterzogen. Im Zentrum stand die Frage, wie Hadithe als religionspädagogische Ressource eingesetzt werden können, ohne ihre historischen, theologischen und lebensweltlichen Kontexte aus dem Blick zu verlieren. Die Teilnehmenden diskutierten zudem, welche Kompetenzen Lehrkräfte benötigen und wie die Hadithdidaktik in Studium, Referendariat und Fortbildung künftig stärker verankert werden kann.
Im Dialog mit dem Propheten die Religionspädagogik von morgen gestalten
Die Abschlussdiskussion im Plenum machte noch einmal das Potenzial des Themas für die Weiterentwicklung des Islamischen Religionsunterrichts deutlich. Zugleich zeigte sich, wie wichtig der kontinuierliche Austausch zwischen Wissenschaft, schulischer Praxis und Bildungspolitik ist. Die Tagung bot hierfür nicht nur fachliche Impulse, sondern auch Raum für Vernetzung, kollegiale Gespräche und die gemeinsame Entwicklung neuer Perspektiven.
Die Fachtagung, fand im Rahmen der AIWG-Forschungsgruppe „Mit dem Propheten Muhammad ins Gespräch kommen?“ statt und wurd mit zusätzlichen Mitteln vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen finanziell ermöglicht.
Das Projekt „Mit dem Propheten Muhammad ins Gespräch kommen? Der Hadith zwischen Lebensbedeutsamkeit und Diskrepanz in Geschichte Theologie und Pädagogik.“ wird gemeinsam umgesetzt von Wissenschaftler_innen der Humbolt Universität in Berlin, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im Rahmen der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG). Es wird gefördert durch das BMFTF.
Mehr zur AIWG-Forschungsgruppe können Sie hier nachlesen.




