AIWG-Autumn School eröffnet international-europäische Perspektiven
Vom 29. September bis 2. Oktober 2026 kamen Teilnehmende des AIWG-Programms für Early Career Researchers aus acht deutschen Universitäten zu einer Autumn School am Oxford Centre for Islamic Studies (OCIS) zusammen. Im Mittelpunkt standen Einblicke in die Geschichte und das Leben der britisch-muslimischen Communities, internationale Perspektiven auf Forschungsfragen der Islamisch-Theologischen Studien, unterschiedliche Universitäts- und Wissenschaftskulturen sowie akademische Karrierewege in Großbritannien und Deutschland. Zugleich bot die Autumn School den Nachwuchswissenschaftler_innen vielfältige Möglichkeiten, sich untereinander und international zu vernetzen.
Mit dem OCIS fand die Autumn School an einem besonderen Ort statt. Hier trifft die lange Hochschultradition Oxfords auf das wissenschaftliche Erbe islamischer Bildung und Wissensproduktion. Das seit 1985 bestehende Zentrum bringt renommierte Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Ländern zusammen. Es schafft einen inspirierenden Raum für den Austausch zwischen Disziplinen, Institutionen und Wissenstraditionen.
Den Auftakt bildete am Montag ein Besuch des Institute for Ismaili Studies und der SOAS University of London, wo die Teilnehmenden herzlich empfangen wurden und erste Einblicke in die britische Forschungslandschaft erhielten.
Vielfältige Einblicke in Forschung, Lehre und akademische Karrierewege
In Oxford erwartete die Gruppe von Dienstag bis Freitag ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Workshops und Gesprächen mit renommierten Wissenschaftler_innen aus den aus unterschiedlichen Disziplinen, denen der Fokus auf islamisch geprägte Entwicklungen gemein ist. Geleitet wurde die Autumn School von einem vierköpfigen Team der AIWG. Ein kulturelles Rahmenprogramm ergänzte die fachlichen Veranstaltungen.

Führung durch das OCIS mit Dr. Raida Chbib
Das fachliche Programm beleuchtete muslimisches Leben und islamische Wissensbestände im Vereinigten Königreich aus historischen, gegenwartsbezogenen und praxisorientierten Perspektiven. Nach der Begrüßung durch den akademischen Leiter des OCIS, Prof. Shahid Jameel, erläuterte Prof. Dr. Nicolai Sinai, Professor für Islamic Studies an der Faculty of Asian and Middle Eastern Studies der University of Oxford, wie Forschung und Lehre innerhalb des Oxforder Universitätssystems strukturell und inhaltlich gestaltet werden.
Prof. Dr. Frank Griffel, Professor der Studies of Abrahamic Religions an der University of Oxford und Fellow am Lady Margaret Hall, diskutierte mit den Teilnehmenden Texte zur islamischen Ethik im Spannungsfeld von Glauben und Philosophie. Dr. Mohammed Ali Allehbi, Research Fellow am OCIS, erläuterte anschließend, wie das Konzept der siyāsa im vormodernen islamischen Recht zur Legitimation staatlicher Autorität und Gesetzgebung beitrug.
Prof. Dr. Sariya Cheruvallil-Contractor, Professorin für Sociology of Islam am Research Centre for Peace and Security der Coventry University, zeichnete die historische Entwicklung muslimischer Gemeinschaften und ihrer Bildungsinstitutionen nach. Der Bogen reichte von den Anfängen im 19. Jahrhundert über die Zeit der beiden Weltkriege bis zu den tiefgreifenden Veränderungen infolge der Einwanderung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dr. Asma Mustafa, Research Fellow am OCIS und Senior Research Fellow an der University of Oxford, erläuterte die gegenwärtige Lebenssituation von Muslim_innen im Vereinigten Königreich aus soziologischer Perspektive und ging ebenso auf den öffentlichen Diskurs der Mehrheitsgesellschaft mit ein.
Einen praxisnahen Schwerpunkt setzte schließlich Dr. Hafza Iqbal, Course Leader für Islam and Pastoral Care am Markfield Institute of Higher Education. Sie sprach über den Bedarf an muslimischer Seelsorge, die Ausbildung von Seelsorger_innen und deren Arbeit an der Schnittstelle zwischen muslimischen Gemeinschaften und öffentlichen Einrichtungen wie Justizvollzugsanstalten. Ergänzend berichtete Ibrahim Amin, Imam am OCIS und Hochschulseelsorger an der University of Oxford, über seine seelsorgerische Arbeit mit Studierenden.

Workshop mit Dr. Hafza Iqbal zu Muslim Chaplaincy in UK
Inspirierende Rundgänge durch Oxford
Der Austausch setzte sich auch außerhalb des Seminarraums fort. Führungen durch die verschiedenen Bereiche des OCIS und durch das traditionsreiche Magdalen College, eine Stadtführung durch Oxford sowie Besuche des Pitt Rivers Museum und der Oxford Central Mosque boten Gelegenheiten, über die fachlichen Impulse hinaus das weitläufige akademische Areal zu erschließen und den Horizont zu weiten.
Die Autumn School zeigte, wie wichtig Räume sind, in denen Early Career Researcher aktuelle Forschungsfragen diskutieren, Erfahrungen austauschen und gemeinsam neue Perspektiven für die Islamisch-Theologichen Studien entwickeln können. Die AIWG dankt den Gastgeber_innen am Oxford Centre for Islamic Studies, allen Referierenden und Mitwirkenden sowie nicht zuletzt den engagierten Teilnehmenden für eine bereichernde gemeinsame Woche. Die Autumn School ist Teil des vom BMFTR geförderten AIWG-Programm für Early Career Researcher.
Über das AIWG-Programm für Early Career Researcher
Mit dem Programm bietet die AIWG Nachwuchswissenschaftler_innen des Fachs von Mai 2026 bis Juni 2027 an, ihre akademische Laufbahn gezielt weiterzuentwickeln und sich miteinander zu vernetzen. Das Programm kombiniert fachspezifische und praxisnahe Qualifizierungsmaßnahmen, den disziplinären Austausch und Einblicke in den Wissenstransfer. Ziel ist es, die Teilnehmenden in ihrer wissenschaftlichen Profilbildung zu stärken, sie bei der strategischen Karriereplanung zu unterstützen und nachhaltige fachliche Vernetzungsstrukturen innerhalb der Disziplin aufzubauen. Mehr erfahren Sie hier.







